Ist Jesus nach der Auferstehung noch ein Mensch?

Physischer Körper

Als Jesus zu Maria sagte, sie solle ihn nicht berühren, bedeutete das, dass er nur ein Geist war?

Johannes 20,17 – Jesus sagte zu ihr: »Rühre mich {haptou} nicht an, denn ich bin noch nicht zum Vater aufgefahren! Gehe aber zu meinen Brüdern und sage ihnen: ›Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.‹«

Matthäus 28,9 – Und siehe! Jesus kam ihnen entgegen mit den Worten: »Seid gegrüßt!« Da gingen sie auf ihn zu, umfaßten seine Füße und warfen sich anbetend vor ihm nieder.

Johannes 20,26-28 – Acht Tage später befanden sich seine Jünger wieder im Hause, und (diesmal) war Thomas bei ihnen. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat mitten unter sie und sagte: »Friede sei mit euch!« Darauf sagte er zu Thomas: »Reiche deinen Finger her und sieh dir meine Hände an; dann reiche deine Hand her und lege sie mir in die Seite und sei nicht (länger) ungläubig, sondern werde gläubig!« Da antwortete ihm Thomas: »Mein Herr und mein Gott!«

Anmerkung: Manche meinen, Jesus sei in einem übernatürlichen Zustand gewesen, der eine Berührung verbot. Dagegen spricht: (1) Andere Frauen und später die Jünger berührten ihn ohne Folgen. (2) Das griechische »haptou« kann auch »festhalten« bedeuten.

Näher liegt Marias Haltung: Sie blieb beim Kreuz (Matthäus 27,55–56; Markus 15,40; Johannes 19,25), unterstützte Jesus (Lukas 8,2–3), sah sein Grab (Matthäus 27,61; Markus 15,47), kam früh am Morgen dorthin (Johannes 20,1), weinte (Johannes 20,11–15) und erkannte ihn zunächst nicht (Johannes 20,14–16). Jesus wollte nicht, dass sie sich an ihn klammert, denn die Beziehung zu seinen Nachfolgern würde nun anders weitergehen. »… denn ich bin noch nicht zum Vater aufgefahren« (Johannes 20,17) weist auf die Himmelfahrt 40 Tage später hin (Apostelgeschichte 1,3).

Zeigte der Körper Jesu physische Eigenschaften?

Lukas 24,37-43 – [37] Da gerieten sie in Angst und Furcht und meinten, einen Geist zu sehen. [38] Doch er sagte zu ihnen: »Was seid ihr so bestürzt, und warum steigen Zweifel in euren Herzen auf? [39] Seht meine Hände und meine Füße an, daß ich es leibhaftig bin! Betastet mich und beschaut mich; ein Geist hat ja doch kein Fleisch und keine Knochen, wie ihr solche an mir wahrnehmt.« [40] Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße. [41] Als sie aber vor Freude immer noch ungläubig und voll Verwunderung waren, fragte er sie: [42] »Habt ihr hier nicht etwas zu essen?« Da reichten sie ihm ein Stück von einem gebratenen Fisch; [43] das nahm er und aß es vor ihren Augen.

Anmerkung: Jesus hatte insofern einen geistlichen Leib, als er Dinge tun konnte, die ein rein physisches Wesen nicht kann, zum Beispiel durch Wände gehen und augenblicklich an verschiedenen Orten erscheinen. Dennoch war er nach der Auferstehung weiterhin in seinem menschlichen Körper, denn seine Jünger erkannten ihn. Er ging sogar auf ihren falschen, abergläubischen Glauben ein, sie sähen nur einen Geist. Indem er vor ihren Augen aß, bewies er ihnen, dass er kein Gespenst war, sondern »Fleisch und Knochen« und auch physische Bedürfnisse hatte.

Erschien Jesus in verschiedenen Gestalten oder Körpern?

Markus 16,12 – Danach offenbarte er sich zwei von ihnen auf dem Weg in einer anderen Gestalt, als sie sich aufs Land begaben. SCH2000

Lukas 24,16.31 – … ihre Augen jedoch wurden gehalten, so daß sie ihn nicht erkannten. / da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn; doch er entschwand ihren Blicken.

Anmerkung: »In anderer Gestalt sich offenbaren« bedeutet nicht, dass Jesus sich in eine andere Gestalt verwandelte, sondern dass er nicht erkannt wurde. Die Schrift lehrt durchgängig, dass Jesus nach der Auferstehung seinen verherrlichten menschlichen Leib behielt. Sein Verschwinden (Lukas 24,31) zeigt übernatürliche Kraft, nicht eine Veränderung der Körpergestalt.

In welcher Gestalt fuhr Jesus in den Himmel auf?

Apostelgeschichte 1,3-4.9-11 – Ihnen hatte er sich auch nach seinem Leiden durch viele Beweise als lebendig bezeugt, indem er sich vierzig Tage lang vor ihnen sehen ließ und mit ihnen über das Reich Gottes redete. Als er so mit ihnen zusammen war, gebot er ihnen, sich von Jerusalem nicht zu entfernen, sondern (dort) die (Erfüllung der) Verheißung des Vaters abzuwarten, »die ihr« – so lauteten seine Worte – »von mir vernommen habt … / Nach diesen Worten wurde er vor ihren Augen emporgehoben: eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken; und als sie ihm noch unverwandt nachschauten, während er zum Himmel auffuhr, standen mit einemmal zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen, die sagten: »Ihr Männer aus Galiläa, was steht ihr da und blickt zum Himmel empor? Dieser Jesus, der aus eurer Mitte in den Himmel emporgehoben worden ist, wird in derselben Weise kommen, wie ihr ihn in den Himmel habt auffahren sehen!«

Anmerkung: Die Formulierung »dieser Jesus« weist auf Kontinuität hin: Derselbe leibhaftige, körperlich gegenwärtige Mensch, der aufgefahren ist, wird auch wiederkommen.

Mensch im Himmel

In welcher Gestalt wird Jesus gegenwärtig im Himmel beschrieben?

1. Timotheus 2,5 – Denn es ist (nur) ein Gott, ebenso auch (nur) ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich ein Mensch Christus Jesus …

Apostelgeschichte 7,56 – … und rief aus: »Ich sehe die Himmel aufgetan und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen!«

Anmerkung: Der stärkste Beleg dafür, dass Christus seine Menschlichkeit behielt, ist die klare Beschreibung der Schrift von ihm als »ein Mensch Christus Jesus« und »der Menschensohn«, der nun als unser vollkommene Mittler, der als Gott und Mensch zugleich im Himmel dient.

Inwiefern zeigt das Priestertum Jesu im Himmel, dass er in seinem menschlichen Leib bleibt?

Hebräer 2,17 – … und daher mußte er in allen Stücken {in jeder Hinsicht} seinen Brüdern gleich werden, damit er barmherzig würde und ein treuer Hoherpriester Gott gegenüber, um für die Sünden des Volkes Vergebung zu erwirken.

Hebräer 4,14-15 – Da wir nun einen großen Hohenpriester haben, der durch die Himmel hindurchgegangen ist {o. in die Himmel hineingegangen ist}, Jesus, den Sohn Gottes, so wollen wir am Bekenntnis (zu ihm) festhalten. Wir haben ja (an ihm) nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitgefühl mit unsern Schwachheiten haben könnte, sondern einen solchen, der in allen Stücken auf gleiche Weise (wie wir) versucht worden ist, nur ohne Sünde.

Hebräer 7,24-25 – … hier aber ist es ein solcher, der, weil er »in Ewigkeit« bleibt, ein nie wechselndes Priestertum im Besitz hat. Daher vermag er auch denen, die durch seine Vermittlung zu Gott hinzutreten, vollkommene Rettung zu schaffen: er lebt ja immerdar, um fürbittend für sie (vor Gott) einzutreten.

Anmerkung: Um als Mittler und Hohepriester eingesetzt zu sein, musste Jesus laut Hebräer 2,17 in jeder Hinsicht uns Menschen gleich werden. Da seine Priesterschaft auf undefinierte Zeit in die Zukunft weitergeht, bleibt er ein Mensch. Weil er die menschliche Erfahrung voll geteilt hat und Mensch geblieben ist, ist er ein mitfühlender Hohepriester, der unsere Schwachheiten versteht und unablässig für uns eintritt.

Werden unsere Körper wie der Körper Jesu sein?

Römer 8,11.23 – Und wenn der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen in euch wohnenden Geist. / Aber nicht nur sie, sondern auch wir selbst, die wir doch den Geist als Erstlingsgabe bereits besitzen, seufzen gleichfalls in unserm Inneren beim Warten auf (das Offenbarwerden) der Sohnschaft, nämlich auf die Erlösung unsers Leibes.

1. Korinther 15,42-44.49.51-54 – [42] Ebenso verhält es sich auch mit der Auferstehung der Toten: Es wird gesät in Vergänglichkeit, auferweckt in Unvergänglichkeit; [43] es wird gesät in Unehre, auferweckt in Herrlichkeit; gesät wird in Schwachheit, auferweckt in Kraft; [44] gesät wird ein seelischer Leib, auferweckt ein geistlicher Leib. So gut es einen seelischen Leib gibt, so gibt es auch einen geistlichen {Leib}. / [49] und wie wir das Bild des irdischen (Adam) an uns getragen haben, so werden wir auch das Bild des himmlischen (Christus) an uns tragen. / [51] Seht, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wohl aber werden wir alle verwandelt werden, [52] (und zwar) im Nu, in einem Augenblick, beim letzten Posaunenstoß; denn die Posaune wird erschallen, und sofort werden die Toten in Unvergänglichkeit auferweckt werden, und wir werden verwandelt werden. [53] Denn dieser vergängliche Leib muß die Unvergänglichkeit anziehen, und dieser sterbliche Leib muß die Unsterblichkeit anziehen. [54] Wenn aber dieser vergängliche Leib die Unvergänglichkeit angezogen hat und dieser sterbliche Leib die Unsterblichkeit, dann wird sich das Wort erfüllen, das geschrieben steht (Jes 25,8; Hos 13,14): »Verschlungen ist der Tod in Sieg …«

Philipper 3,20-21 – Unser Bürgertum dagegen ist im Himmel, von wo wir auch den Herrn Jesus Christus als Retter erwarten, der unsern niedrigen Leib umwandeln wird zur Gleichgestalt mit seinem Herrlichkeitsleibe vermöge der Kraft, mit der er auch alle Dinge sich zu unterwerfen vermag.

1. Johannes 3,2 – Geliebte, (schon) jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir (dereinst) sein werden. Wir wissen jedoch, daß, wenn diese Offenbarung {Anm. zweite Wiederkunft} eintritt, wir ihm gleich sein werden; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.

Anmerkung: Die biblische Lehre von der Auferstehung zeigt, dass wir weiterhin Körper haben werden, die aber wiederhergestellt und verherrlicht sein werden. Wenn Paulus sagt: »Es wird gesät … es wird auferweckt« (1. Korinther 15), zeigt die wiederkehrende Ausdrucksweise Kontinuität: Dieselbe Person, die begraben wird, wird auch auferweckt. Es gibt eine Verwandlung, aber keinen Ersatz. Unsere Identität bleibt erhalten.

Wenn die Schrift von einem »geistlichen Leib« spricht, meint sie damit keinen nichtphysischen oder immateriellen Körper. Sie beschreibt vielmehr einen Leib, der vollständig vom Geist gelenkt, belebt und vervollkommnet ist. Er wird nicht mehr der Vergänglichkeit, der Schwachheit und dem Tod unterworfen sein. Stattdessen wird er nicht nur für die physische Existenz geeignet sein, sondern auch für die unmittelbare Teilhabe an geistlichen (d.h. unsichtbaren) Wirklichkeiten.

Folgt man dieser Überlegung, so gilt: Wenn wir echte, menschliche Körper behalten, verherrlicht und doch wirklich unsere eigenen, und wenn unsere Auferstehungsleiber dem Leib Christi gleich sein werden (Philipper 3,21), dann muss auch der Leib Christi wirklich menschlich sein: der gleiche Körper, den er als Mensch hatte als er die Erde durchzog, nur verwandelt. Sein verherrlichter Leib ist kein Wesen anderer Art, sondern vollendete Menschheit. Zugleich bleibt er voll und ganz göttlich. So bekräftigt die Auferstehungshoffnung sowohl die Kontinuität der menschlichen Identität als auch die erhöhte, von der Sünde unbetroffene, verherrlichte Menschheit Christi.

Das Praktische für uns ist Folgendes: Dadurch, dass Jesus seine Menschheit behält, endete seine Identifikation mit uns nicht mit seinem Tod und seiner Auferstehung. Er bleibt einer von uns, unser Hohepriester und Mittler, für immer in der Lage, die Menschheit zu vertreten. Nach der endgültigen Vernichtung Satans wird niemand ein besseres Recht beanspruchen können, die Menschheit zu vertreten. Doch er ist auch voll und ganz göttlich. Als Gott und Mensch zugleich kann nur er zwischen der Menschheit und dem Vater vermitteln und sich vollständig mit beiden identifizieren. Die Menschwerdung ist ein tiefes Geheimnis und eine herrliche Heilsgeschichte.

Fußnoten

SCH2000: Schlachter 2000

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