Wird Jesus in der Bibel je als Vater bezeichnet?

Wo scheint die Bibel Jesus »Vater« zu nennen?

Jesaja 9,5 – Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben; und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und man nennt seinen Namen: Wunderbarer, Ratgeber, starker Gott, Ewig-Vater {abiad}, Friedefürst. SCH2000

Anmerkung: Jesaja 9,5 ist der einzige Vers in der Bibel, in dem Jesus »Vater« genannt zu werden scheint. Der verwendete Name lautet »Abiad« und kommt in der Schrift nur ein einziges Mal vor. Da keine andere Stelle Jesus direkt als »den Vater« bezeichnet, muss dieser Vers sorgfältig geprüft werden, bevor man theologische Schlüsse zieht. In manchen Übersetzungen wird dieser Vers als Jesaja 9,6 gezählt.

Woher wissen wir, dass sich die Stelle auf Christus bezieht?

Jesaja 8,23-9,1 – Doch bleibt nicht im Dunkel [das Land], das bedrängt ist. Wie er in der ersten Zeit das Land Sebulon und das Land Naphtali gering machte, so wird er in der letzten Zeit den Weg am See {Genezareth bzw. Galiläischen Meer} zu Ehren bringen, jenseits des Jordan, das Gebiet der Heiden. Das Volk, das in der Finsternis wandelt, hat ein großes Licht gesehen; über den Bewohnern des Landes der Todesschatten ist ein Licht aufgeleuchtet. SCH2000

Matthäus 4,13-16 – … er verließ jedoch Nazareth und verlegte seinen Wohnsitz nach Kapernaum, das am See (Genezaret) liegt im Gebiet von Sebulon und Naphthali, damit das Wort des Propheten Jesaja erfüllt werde (Jes 8,23; 9,1-2), das da lautet: »Das Land Sebulon und das Land Naphthali, das nach dem See zu liegt, das Land jenseits des Jordans, das Galiläa der Heiden, das Volk, das im Finstern saß, hat ein großes Licht gesehen, und denen, die im Lande und Schatten des Todes saßen, ist ein Licht aufgegangen.«

Anmerkung: Matthäus wendet Jesaja 8,23-9,1, das unmittelbar vor Jesaja 9,5 steht und zum selben prophetischen Zusammenhang gehört, ausdrücklich auf Jesus an. Dies bestätigt, dass die weitere Passage in Jesaja 9 im Neuen Testament als auf Christus bezogen verstanden wird. Darüber hinaus spricht Jesaja 9,6 vom ewigen Thron Davids, einer Verheißung, die in Lukas 1,32-33 direkt mit Jesus verbunden wird. Daher wird das in Jesaja 9,5 beschriebene Kind im Neuen Testament als der Messias identifiziert.

Wie sollte der Name »Abiad« übersetzt werden?

2. Chronik 13,1 – Im achtzehnten Jahre (der Regierung) des Königs Jerobeam wurde Abia {Abija} König über Juda.

1. Samuel 25,3 – Der Mann hieß Nabal und seine Frau Abigail; die Frau war klug und von großer Schönheit, der Mann dagegen roh und bösartig in all seinem Tun, ein echter Kalebiter.

Anmerkung: Der hebräische Ausdruck »Abi-ad« in Jesaja 9,5 folgt demselben Bildungsmuster wie viele andere hebräische Namen, die mit »Abi-« beginnen (»[mein] Vater ist …«). Abija bedeutet »(mein) Vater ist Jah (JHWH)« und Abigail »(mein) Vater ist Freude«. Wie andere auf diese Weise gebildete biblische Namen kann auch Abiad folgerichtig als »(mein) Vater ist Ewigkeit« oder »(mein) Vater ist ewig« verstanden werden.

Die Wiedergabe von Abiad als »Ewig-Vater« spiegelt eine theologische Deutung wider, die üblicherweise mit der trinitarischen oder modalistischen Lehre verbunden wird. Eine streng einheitliche Übersetzung des Namens würde stattdessen »(mein) Vater ist ewig« nahelegen. Nach diesem Verständnis beschreibt der Titel den Messias in seinem Verhältnis zu seinem Vater und identifiziert den Messias nicht als den Vater selbst.

Gibt es weitere biblische Namen mit »Abi-«, die auf diese Weise gedeutet werden?

Anmerkung: Ja. Zahlreiche biblische Namen folgen derselben Bildungsweise mit »Abi-« (»[mein] Vater ist …«). Beispiele sind unter anderem Abiel, Abieser, Abimelech, Abiram, Abischag, Abischalom und Abischua. Eine repräsentative Liste folgt unten.

Abiasaf – (mein) Vater hat gesammelt / 2. Mose 6,24

Abida – (mein) Vater hat erkannt / 1. Mose 25,4; 1. Chronik 1,33

Abidan – (mein) Vater ist Richter / 4. Mose 1,11; 2,20; 7,60.65; 10,24

Abiel – (mein) Vater ist El / 1. Samuel 9,1; 14,51; 1. Chronik 11,32

Abieser – (mein) Vater ist Hilfe / Josua 17,2; Richter 8,2; 2. Samuel 23,27; usw.

Abigail (w.) – (mein) Vater ist Freude / 1. Samuel 25,3-42; usw.

Abihajil – (mein) Vater ist Stärke / 4. Mose 3,35; 1. Chronik 2,29; 5,14; usw.

Abihu – (mein) Vater ist er / 2. Mose 6,23; 24,1.9; usw.

Abihud – (mein) Vater ist Majestät / 1. Chronik 8,3

Abija – (mein) Vater ist Jah / 2. Chronik 13,1-22; usw.

Abijam – (mein) Vater ist (das) Meer / 1. Könige 14,31; 15,1-8

Abimael – (mein) Vater ist Gott (El) / 1. Mose 10,28; 1. Chronik 1,22

Abimelech – (mein) Vater ist König / 1. Mose 20,2-18; 21,22-32; 26,1-26; usw.

Abinadab – (mein) Vater ist edel / 1. Samuel 7,1; 16,8; usw.

Abinoam – (mein) Vater ist Wonne / Richter 4,6.12; 5,1.12

Abiram – (mein) Vater ist erhaben / 4. Mose 16,1.12.24-27; 26,9; 5. Mose 11,6; usw.

Abischag (w.) – (mein) Vater ist ein Wanderer / 1. Könige 1,3.15; 2,17.21-22

Abischai – (mein) Vater ist Isai / 1. Samuel 26,6-9; usw.

Abischalom – (mein) Vater ist Frieden / 1. Könige 15,2.10

Abischua – (mein) Vater ist Rettung / 1. Chronik 5,30.31; 6,35; usw.

Abischur – (mein) Vater ist eine Mauer / 1. Chronik 2,28

Abital – (mein) Vater ist (der) Tau / 2. Samuel 3,4; 1. Chronik 3,3

Abitub – (mein) Vater ist Güte / 1. Chronik 8,11

Abiad – (mein) Vater ist ewig / Jesaja 9,5

Quelle für die Namensliste: Artikel mit dem Titel »›Everlasting Father‹ in Isaiah 9:6: Descriptive of the Messiah or His Father?« von Robert M. Bowman Jr. auf bib.irr.org (Institute for Religious Research), abgerufen am 07.10.2026.

Fazit

Die Bedeutung der oben genannten Namen zeigt, dass die Vorsilbe »Abi-« mit einem beschreibenden oder göttlichen Element verbunden wird und dabei stets den Vater des Namensträgers beschreibt, nicht den Namensträger selbst. Das gilt unabhängig davon, ob man diese Namen als »(mein) Vater ist …« oder als »Vater von …« deutet: Abigail ist nicht selbst ein »Vater der Freude«, sondern ihr Name sagt etwas über ihren Vater aus. Angesichts dieses Musters bedarf es einer besonderen Begründung, Abiad anders zu verstehen als vergleichbare Namen. Eine folgerichtige Übersetzung wäre daher »(mein) Vater ist ewig« oder »(mein) Vater ist immerwährend«. So verstanden, bezeichnet Jesaja 9,5 den Messias nicht als den Vater selbst, sondern sagt gemäß dem hebräischen Namensmuster etwas über seinen Vater aus.

Fußnoten

SCH2000: Schlachter 2000

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