Erstgeborene aus den Toten
Wusste Jesus bereits im Vorhinein, dass er auferstehen würde?
Lukas 23,43 – Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein!
Anmerkung: Jesus scheint eine Zuversicht zu äußern, dass er auferstehen wird. Absolute Gewissheit war das aber nicht, sonst hätte sein Ruf der Verlassenheit am Kreuz (Matthäus 27,46) keinen Sinn. Seine Zuversicht stützte sich auf alttestamentliche Verheißungen wie Psalm 16,10 (»… du gibst meine Seele dem Totenreich nicht preis, du läßt deinen Frommen nicht schaun die Vernichtung«, vgl. Apostelgeschichte 2,25-31) und Jesaja 53,10 (der leidende Gottesknecht wird nach seinem Opfer weiterleben). Dazu kam seine besondere Beziehung zum Vater, der ihn stets erhörte (Johannes 11,41-42), sowie der ausdrückliche Auftrag, sein Leben wiederzunehmen (Johannes 10,17-18).
Übrigens können die Worte Jesu wie folgt übersetzt werden: »Ich sage dir heute: Du wirst mit mir im Paradies sein!«. Diese Übersetzung ist plausibler, denn Jesus ist erst nach 40 Tagen in den Himmel aufgefahren (vgl. Apostelgeschichte 1,3.9-11) und nicht am gleichen Tag.
Wie nennt die Bibel Jesus?
Offenbarung 1,5 – … und von Jesus Christus, dem treuen Zeugen, dem Erstgeborenen der Toten und dem Herrscher über die Könige der Erde! Ihm, der uns liebt und uns durch sein Blut von unsern Sünden erlöst hat
Anmerkung: »Der Erstgeborene der Toten« oder laut SCH2000 »der Erstgeborene aus den Toten«.
Warum wird Jesus der Erstgeborene aus den Toten genannt?
Kolosser 1,18 – Ferner ist er das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde: er ist der Anfang, der Erstgeborene aus den Toten, er, der in allen Beziehungen den Vorrang haben sollte.
Anmerkung: Kolosser 1,18 verbindet den Titel »Erstgeborener« selbst ausdrücklich mit dem »Vorrang in allen Beziehungen«. Der Ausdruck bezeichnet hier also in erster Linie einen Rang, nicht unbedingt Reihenfolge. Genau dasselbe Muster zeigt Psalm 89,28: David, der keineswegs der leiblich erstgeborene Sohn Isais war, sondern der Jüngste unter seinen Brüdern (vgl. 1. Samuel 16,10-13), wird von Gott zum »Erstgeborenen« gemacht, und zwar ausdrücklich im Sinne von »der Höchste unter den Königen der Erde«. Fast dieselbe Formulierung begegnet auch bei Jesus (»Herrscher über die Könige der Erde«, Offenbarung 1,5). Wenn selbst ein Mensch wie David, der weder zeitlich der erste König noch der erste Sohn seines Vaters war, als »Erstgeborener« bezeichnet werden kann, dann meint der Titel bei Jesus ebenfalls nicht in erster Linie, dass er der zeitlich erste Auferstandene ist, sondern dass ihm unter allen Auferstandenen der höchste Rang zusteht.
Gibt es auch eine andere Erklärung?
1. Korinther 15,20-23 – Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden (und zwar) als Erstling der Entschlafenen. Denn weil der Tod durch einen Menschen gekommen ist, erfolgt auch die Auferstehung der Toten durch einen Menschen. Wie nämlich in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle wieder zum Leben gebracht werden, ein jeder aber in seiner besonderen Abteilung: als Erstling Christus, hierauf die, welche Christus angehören, bei seiner Ankunft …
Anmerkung: Jesus hat selbst drei Menschen auferweckt: den Jüngling von Nain (Lukas 7,11-17), die Tochter des Jairus (Lukas 8,40-56) und Lazarus (Johannes 11,38-46). Das waren aber nur vorübergehende Wiederbelebungen: Jeder von ihnen ist wieder gestorben. Über Jesus dagegen sagt Römer 6,9, dass der Tod keine Herrschermacht mehr über ihn hat. Genau das meint Paulus mit »Erstling der Entschlafenen« (1. Korinther 15,20-23): Er ist der Erste, der endgültig und unvergänglich aufersteht.
Auch Mose, dessen Auferweckung sich aus Judas 9 und der Verklärung (Matthäus 17,1-9) erschließen lässt, ändert daran nichts: Sein ewiges Leben hing von Jesu späterem Opfer ab. Christus bleibt also die Quelle, durch die auch Mose auferweckt wurde.
Gibt es eine dritte Erklärung?
Apostelgeschichte 26,23 – … nämlich ob Christus zum Leiden bestimmt sei und ob er als Erstling unter den vom Tode Auferstandenen sowohl dem Volk (Israel) als auch den Heiden das Licht verkünden solle.
Anmerkung: Der zweite Tod (Offenbarung 20,14-15; 21,8) ist die endgültige Verdammnis ohne Rückkehr, sonst wäre er nicht »der zweite«, sondern nur ein weiterer erster Tod. Alle, die für ihre Sünde leiden, sterben diesen Tod für immer, das ist seine Konsequenz. Jesus hat für die Sünde gelitten und ebendiesen Tod erlitten (siehe ScriptureQnA.com/wirklicher-tod-jesu/), doch bei ihm allein führte dieses Leiden zur Auferstehung. Damit ist er nicht nur der Erste, sondern der Einzige, der je aus dem zweiten Tod aufersteht. Genau diese Verbindung stellt auch Apostelgeschichte 26,23 her, wenn es Christi Bestimmung zum Leiden direkt mit seinem Erstling-Sein verbindet: Er wurde dadurch zum »Erstling unter den vom Tode Auferstandenen«, stellvertretend, damit andere diesen Weg nie gehen müssen.
Auferstanden oder auferweckt
Ist Jesus auferstanden oder wurde er auferweckt?
Apostelgeschichte 2,24.31-32 – Gott aber hat ihn auferweckt, indem er die Wehen des Todes löste, weil er ja unmöglich vom Tode festgehalten werden konnte. / … so hat er vorausschauend von der Auferstehung Christi geredet, daß dieser nämlich weder dem Totenreich überlassen worden ist noch sein Leib die Verwesung gesehen hat. Diesen Jesus hat Gott auferweckt: dafür sind wir alle Zeugen!
Apostelgeschichte 5,30 – Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ans Holz gehängt und hingerichtet habt.
Apostelgeschichte 13,30.33.37 – Gott aber hat ihn von den Toten auferweckt … / für uns, die Nachkommen jener, durch die Auferweckung Jesu zur Erfüllung gebracht hat, wie ja auch im zweiten Psalm geschrieben steht (Ps 2,7): ›Du bist mein Sohn, ich habe dich heute gezeugt.‹ / der aber, den Gott auferweckt hat, der hat die Verwesung nicht gesehen.
Apostelgeschichte 17,31 – … denn er hat einen Tag festgesetzt, an welchem er den Erdkreis mit Gerechtigkeit richten will durch einen Mann, den er dazu ausersehen und den er für alle durch seine Auferweckung von den Toten beglaubigt hat.
Römer 6,4.9 – Wir sind also deshalb durch die Taufe in den Tod mit ihm begraben worden, damit, gleichwie Christus von den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, ebenso auch wir in einem neuen Leben wandeln. / da Christus, wie wir wissen, nach seiner Auferweckung von den Toten nicht mehr stirbt: der Tod hat keine Herrschermacht mehr über ihn.
Römer 8,34 – Wer will sie verurteilen? Etwa Christus Jesus, der doch (für uns) gestorben ist, ja, mehr noch, der auferweckt worden ist, der zur Rechten Gottes sitzt und auch für uns eintritt?
1. Korinther 6,14 – Gott aber hat den Herrn auferweckt und wird auch uns durch seine Macht auferwecken.
2. Korinther 4,14 – … denn wir wissen, daß der, welcher den Herrn Jesus auferweckt hat, auch uns mit Jesus auferwecken und uns mit euch zusammen (vor ihm, d.h. vor dem Richterstuhl Christi) darstellen wird.
Galater 1,1 – Ich, Paulus, ein Apostel – nicht von Menschen her (entsandt), auch nicht durch Vermittlung eines Menschen (dazu gemacht), sondern durch Jesus Christus und Gott den Vater, der ihn von den Toten auferweckt hat …
1. Thessalonicher 1,9-10 – … denn die Leute selbst erzählen im Hinblick auf uns, welchen Eingang wir bei euch gefunden haben und wie ihr euch von den Götzen hinweg zu Gott bekehrt habt, um (hinfort) dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und seinen Sohn vom Himmel her zu erwarten, den er von den Toten auferweckt hat, Jesus, der uns vor dem kommenden Zorn(gericht) rettet.
Gibt es auch Stellen, die zeigen, dass er selbst auferstanden ist?
1. Petrus 1,3 – Gelobt sei der Gott und Vater unsers Herrn Jesus Christus, der nach seiner großen Barmherzigkeit uns wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten …
Mark 16,6 – Er aber spricht zu ihnen: Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus, den Nazarener, den Gekreuzigten; er ist auferstanden, er ist nicht hier. Seht den Ort, wo sie ihn hingelegt hatten! SCH2000
Wie lässt sich das vereinbaren?
Johannes 10,17-18 – Um deswillen hat der Vater mich lieb, weil ich mein Leben hingebe, damit ich es wieder an mich nehme; niemand nimmt es mir, sondern ich gebe es freiwillig hin. Ich habe Vollmacht, es hinzugeben, und ich habe Vollmacht, es wieder an mich zu nehmen; die Ermächtigung dazu habe ich von meinem Vater erhalten.
Anmerkung: Die überwältigende Mehrheit der Stellen sagt, dass der Vater seinen Sohn auferweckt hat. Markus 16,6 formuliert es in der SCH2000-Übersetzung zwar anders (»er ist auferstanden«), doch im Grundtext steht dieselbe Passivform (ēgerthē), die im Neuen Testament auch in den ausdrücklichen »Gott hat ihn auferweckt«-Stellen verwendet wird. Markus 16,6 ist also kein eigenständiger Beleg für ein Handeln Jesu aus sich selbst heraus. Denn wenn er wirklich tot war, konnte er auch nicht handeln.Jedoch zeigt Johannes 10,17-18, dass Jesus selbst sagt, er habe vom Vater die Vollmacht erhalten, sein Leben wieder an sich zu nehmen. Beides gehört also zusammen: Der Vater hat die Auferweckung (durch seine Herrlichkeit; siehe Römer 6,4) bewirkt und den Anstoß gegeben, doch Jesus besaß die ihm verliehene Vollmacht, sein Leben dann tatsächlich wieder aufzunehmen.
Fußnoten
SCH2000: Schlachter 2000
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Alle anderen Stellen aus Menge Bibel (1939).

