Man könnte mit einer allgemeinen und menschlichen Definition von dem Wort „Gott” beginnen, aber das wäre der falsche Ansatz. Denn dann müsste man lediglich die Bibelstellen aussuchen, die zu dieser Definition passen würden und somit sich in seiner einseitigen Position verhärten. Aber definiert die Bibel das Wort Gott? Leider nein und es gibt mehrere Wörter die so übersetzt werden. Deswegen muss man anschauen, wie die Bibel diese Wörter benutzt.
Viele „Götter”
Wie benutzt die Bibel das Wort „Gott”?
5 Mose 6,4 – Höre, Israel: Der HERR [YHWH] ist unser Gott [hebr. elohim], der HERR [YHWH] allein!
1 Korinther 8,5 – Denn wenn es auch solche gibt, die Götter [gr. pl. theos] genannt werden, sei es im Himmel oder auf Erden — wie es ja wirklich viele »Götter«[pl. theos] und viele »Herren« gibt … SCH2000
Anmerkung: Das hebräische Wort „elohim” (das Äquivalent im Griechischen ist „theos”) ist eines der meistbenutzten Wörter für Gott, wozu auch die Varianten Eloah und El gehören. Es kann aber sehr unterschiedlich benutzt werden, wie wir auch sehen werden: für den Vater, für Jesus und auch für viele andere Akteure der biblischen Erzählung.
Werden Engel „Götter” genannt?
Psalm 8,6 – Du hast ihn ein wenig niedriger gemacht als die Engel [elohim; Anmerkung SCH2000]; mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt. SCH2000
Anmerkung SCH2000: hebr. elohim. Dieses Wort steht in der Regel für den ewigen Gott in seiner Allmacht als Schöpfer (man könnte übersetzen »der überaus Mächtige«) und wird dann »Gott« übersetzt; hier wie an gewissen anderen Stellen bezeichnet es jedoch Engelmächte (»Götter«, d.h. »Mächtige«); vgl. Hebr 2,7.
Hebräer 2,7.9 – Du hast ihn für eine kurze Zeit unter die Engel [gr. aggelos] erniedrigt, ihn (dann aber) mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt; / … wohl aber sehen wir den, der für eine kurze Zeit unter die Engel erniedrigt gewesen ist, nämlich Jesus, um seines Todesleidens willen mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt; er sollte ja durch Gottes Gnade für jeden den Tod schmecken.
* * *
Psalm 95,3 – Denn der Herr ist ein großer Gott und ein großer König über alle Götter [elohim; d.h. Engelmächte oder Richter]. SCH2000
Psalm 97,7 – Schämen müssen sich alle, die den Götzenbildern dienen und sich wegen der nichtigen Götzen rühmen; vor Ihm werfen sich alle Götter [elohim] nieder. SCH2000
Hebräer 1,6 – Weiter sagt er von der Zeit, in welcher er den Erstgeborenen wiederum in die Menschenwelt einführen wird (Ps 97,7): »Alle Engel [aggelos] Gottes sollen vor ihm huldigend sich neigen.«
Anmerkung: Die Bibel benutzt das Wort „elohim” für Engel, was der Hebräerbrief bestätigt, indem er dieselbe Stelle mit „Engel” [aggelos] wiedergibt.
Welcher andere Engel wird „Gott” genannt?
2 Korinther 4,4 – … weil in ihnen der Gott [theos] dieser Weltzeit das Denkvermögen der Ungläubigen verdunkelt hat, damit ihnen das helle Licht der Heilsbotschaft von der Herrlichkeit Christi, der das Ebenbild Gottes [theos] ist, nicht leuchte.
Anmerkung: Satan, der gefallene Engel, gibt sich für Gott aus. Er ist ein Möchtegern-Gott, der sich mit theos bezeichnet (oder mit elohim/el; siehe Hesekiel 28,2.6.9) und sich als allerlei Götzen und falsche Götter anbeten lässt (siehe elohim Ägyptens in 2 Mose 12,12 zusammen mit 1 Korinther 10,20 usw.). Jedoch ist es klar, dass es nur eine Anmaßung ist. Sogar andere gefallene Engel, die Dämonen, die sich für tote Menschen ausgeben, werden mit dem Begriff „Gott” (elohim) genannt (siehe 1 Samuel 28,13).
Werden auch Menschen „Götter” genannt?
Psalm 82 – [1] Ein Psalm Asaphs. Gott [elohim] steht da in der Gottesversammlung [el edah], hält inmitten der Götter [elohim] Gericht: [2] »Wie lange noch wollt ihr ungerecht richten und Partei für die Gottlosen nehmen? SELA. [3] Schafft Recht dem Geringen und Verwaisten, dem Bedrückten und Dürftigen verhelft zum Recht! [4] Rettet den Geringen und Armen, entreißt ihn der Hand der Gottlosen!« [5] »Doch sie sind ohne Einsicht und ohne Erkenntnis; in Finsternis gehn sie einher, mögen der Erde Pfeiler auch alle wanken. [6] Wohl hab’ ich selber gesagt, daß ihr Götter [elohim] seid und Söhne des Höchsten allesamt; [7] dennoch wie (gewöhnliche) Menschen sollt ihr sterben, und fallen wie irgendeiner der Fürsten.« [8] Erhebe dich, Gott [elohim], richte die Erde! Denn du bist der Erbherr über alle Völker.
Anmerkung: Natürlich sind Menschen keine Götter. Aber sie werden mit dem gleichen Wort elohim wie Gott selbst bezeichnet, und das ist bemerkenswert. Und es sind nicht nur irgendwelche Menschen, sondern die Nachfolger Gottes, die Richter und diejenigen, die Macht ausüben können im Volk Gottes. Auch im Neuen Testament wird eine menschliche Macht als „Gott” (theos) bezeichnet (siehe 2 Thessalonicher 2,4).
Johannes 10,30-36 – [30] Ich und der Vater sind eins!« [31] Da holten die Juden wieder Steine herbei, um ihn zu steinigen; [32] Jesus aber sagte zu ihnen: »Viele gute Werke habe ich euch vom Vater her sehen lassen: welches von diesen Werken ist es, wegen dessen ihr mich steinigen wollt?« [33] Die Juden antworteten ihm: »Nicht wegen eines guten Werkes wollen wir dich steinigen, sondern wegen Gotteslästerung, und zwar weil du, der du doch (nur) ein Mensch bist, dich selbst zu Gott machst.« [34] Jesus antwortete ihnen: »Steht nicht in eurem Gesetz geschrieben (Ps 82,6): ›Ich habe gesagt: Ihr seid Götter [pl. theos]‹? [35] Wenn die Schrift schon jene (Männer), an die das Wort Gottes erging, Götter genannt hat – und die Schrift kann doch ihre Gültigkeit nicht verlieren –: [36] wie könnt ihr da dem, welchem der Vater die Weihe erteilt und den er in die Welt gesandt hat, Gotteslästerung vorwerfen, weil ich gesagt habe: ›Ich bin Gottes Sohn‹?
Anmerkung: Die Juden haben verstanden, welchen Anspruch Jesus erhebt, indem er sagt, dass er der Sohn Gottes ist (übrigens haben sie sich auch als Söhne oder Kinder Gottes bezeichnet, und es war offensichtlich anders gemeint als bei Jesus; siehe Johannes 8,41-44). Jesu Anspruch war Göttlichkeit. Und obwohl Jesus wollte, dass Menschen verstehen, dass er der Messias, der Sohn Gottes ist (siehe Matthäus 16,13-17; Johannes 11,25-27), wollte er sich gleichzeitig nicht zu sehr und nicht zu öffentlich erhöhen, damit er nicht gleich als Gotteslästerer hingerichtet würde. Er wollte seinen Dienst und sein Werk (auf dreieinhalb Jahre) verlängern. Somit hat er versucht, die Situation in Johannes 10,30-36 zu entschärfen, indem er sich auf den Psalm 82 bezog, in dem Menschen als Götter bezeichnet werden. Das Wort elohim (Gott/Götter) wird so durch Jesus selbst relativiert.
Warum werden auch Menschen „Götter” genannt?
2 Mose 21,6 – … so soll ihn sein Herr vor Gott [elohim; Anmerkung SCH2000] bringen und ihn an die Tür oder den Pfosten stellen, und er soll ihm seine Ohren mit einem Pfriem durchbohren, damit er ihm diene für alle Zeiten. SCH2000
Anmerkung SCH2000: Andere Übersetzung: vor die Richter.
2 Mose 7,1 – Da erwiderte der HERR [YHWH] dem Mose: »Siehe, ich mache dich für den Pharao zu einem Gott [elohim], und dein Bruder Aaron soll dein Prophet sein.
Anmerkung: Weil sie die Repräsentanten Gottes und somit „Götter” auf Erden sein sollten. Mose wurde dem Pharao „zu einem Gott” gemacht. Die Richter im Volk Israel mussten so gerecht richten wie Gott selbst (siehe auch 2 Mose 22,8).
Wer ist der allein wahre Gott?
Johannes 17,3 – Darin besteht aber das ewige Leben, daß sie dich {Vater}, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.
1 Korinther 8,4.6 – Was nun das Essen der Götzenopfer betrifft, so wissen wir, dass ein Götze in der Welt nichts ist, und dass es keinen anderen Gott gibt außer dem Einen. / … so gibt es für uns doch nur einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir für ihn; und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind, und wir durch ihn. SCH2000
1 Thessalonicher 1,9-10 – … denn die Leute selbst erzählen im Hinblick auf uns, welchen Eingang wir bei euch gefunden haben und wie ihr euch von den Götzen hinweg zu Gott bekehrt habt, um (hinfort) dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und seinen Sohn vom Himmel her zu erwarten, den er von den Toten auferweckt hat, Jesus, der uns vor dem kommenden Zorn(gericht) rettet.
1 Timotheus 2,5 – Denn es ist (nur) ein Gott, ebenso auch (nur) ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich ein Mensch Christus Jesus …
Anmerkung: Der Vater wird in der Schrift ausdrücklich als „der allein wahre Gott” bezeichnet. Diese Bezeichnung schließt alle Bedeutungen des Wortes „Gott” ein: Er ist Gott sowohl in seinem Wesen als auch in seiner Stellung, als Ursprung, Quelle und höchste Autorität über alles.
Damit wird nicht die Göttlichkeit des Sohnes geleugnet, sondern die einzigartige Vorrangstellung des Vaters betont. Jesus ist auch Gott, aber nicht DER Gott. So wie ein Mann, der Adam heißt, sehr wohl ein vollwertiger Mensch (Adam) ist, aber nicht DER Adam ist. Wie der Begriff „Gott” im Neuen Testament auch ausdrücklich auf Jesus selbst angewendet wird, betrachten wir in ScriptureQnA.com/jesus-gott-ewig/.
Fazit
Die vorangehenden Beispiele zeigen ein durchgängiges Muster: Engel, ein gefallener Engel, Richter, menschliche Systeme und selbst Mose tragen in der Schrift den Titel „Gott” oder „Götter”, ohne mit dem einen wahren Gott gleichgesetzt zu werden. Bezeichnend ist, dass Jesus selbst dieses Prinzip aufgreift, um sich gegen den Vorwurf der Gotteslästerung zu verteidigen (Johannes 10,34-36), indem er sich auf Psalm 82 beruft, wo Menschen „Götter” genannt werden. Er setzt damit ein Verständnis voraus, das seine jüdischen Gesprächspartner offenbar teilten.
Das Wort „Gott” (im Alten Testament „Elohim”, im Neuen Testament „Theos”) wird also nicht ausschließlich für den allein wahren Gott verwendet, sondern grundsätzlich für eine Persönlichkeit mit überlegener Macht, Autorität oder himmlischem Rang. Daraus folgt jedoch nicht, dass alle so Bezeichneten wahrhaftige Götter sind. Die Schrift unterscheidet klar zwischen dem allein wahren Gott und anderen, die in einem abgeleiteten oder repräsentativen Sinn „Gott” genannt werden, sei es als Ehrentitel für ein Amt, als Anmaßung oder aus einem anderen, sogar legitimen Grund, den der jeweilige Kontext selbst klärt.
Wer aber ist der allein wahre Gott in diesem vollsten Sinn? Die Schrift beantwortet das ausdrücklich: der Vater (Johannes 17,3; 1 Korinther 8,6), als Ursprung, Quelle und höchste Autorität über alles.
Fußnoten
SCH2000: Schlachter 2000
Bibeltext der Schlachter | Copyright © 2000 Genfer Bibelgesellschaft | Wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten.
Alle anderen Stellen aus Menge Bibel (1939).

