Wer ist der Engel des Herrn?

Ein mysteriöser Bote

Wer erschien Hagar in der Wüste?

1 Mose 16,7.13 – Da fand der Engel [hebr. malak] des HERRN [YHWH] sie an einer Wasserquelle in der Wüste, an der Quelle auf dem Wege nach Sur … / Da nannte sie den Namen des HERRN [YHWH], der zu ihr geredet hatte: »Du bist der Gott [el] des Schauens [roi]; denn«, sagte sie, »ich habe wirklich hier den geschaut, der nach mir geschaut hat.«

Anmerkung: Hagar spricht viermal mit „dem Engel des HERRN“ (V. 7, 9, 10, 11). Als sie aber den Namen dessen nennt, der zu ihr geredet hat, nennt sie ihn „den HERRN“ selbst und „Gott des Schauens“. Sie geht also nicht davon aus, mit einem bloßen Boten gesprochen zu haben, sondern mit Gott, den sie gesehen hat, ohne daran zu sterben.

Wer rief Abraham vom Himmel her zu?

1 Mose 22,11-12.15-16 – Da rief ihm der Engel des HERRN vom Himmel her die Worte zu: »Abraham, Abraham!« Er antwortete: »Hier bin ich!« Jener rief: »Lege deine Hand nicht an den Knaben und tu ihm nichts zuleide! Denn jetzt weiß ich, daß du gottesfürchtig bist, weil du mir deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten hast.« / Hierauf rief der Engel des HERRN dem Abraham zum zweitenmal vom Himmel her die Worte zu: »Ich schwöre bei mir selbst« – so lautet der Ausspruch des HERRN –: »darum, daß du so gehandelt und mir deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten hast …

Hebräer 6,13-14 – Nachdem Gott nämlich dem Abraham die Verheißung gegeben hatte, schwur er, weil er bei keinem Höheren schwören konnte, bei sich selbst mit den Worten (1.Mose 22,16-17): »Fürwahr, ich will dich reichlich segnen und dich überaus zahlreich machen!«

Anmerkung: Ein geschaffener Engel wäre nicht in der Lage bei sich selbst zu schwören.

Wer rang mit Jakob am Jabbok?

1 Mose 32,25.28-31 – … blieb er {Jakob} allein zurück. Da rang ein Mann mit ihm bis zum Aufgang der Morgenröte. / Da fragte jener ihn: »Wie heißt du?« Er antwortete: »Jakob.« Da sagte er: »Du sollst hinfort nicht mehr Jakob heißen, sondern ›Israel‹; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und bist Sieger geblieben.« Da richtete Jakob die Bitte an ihn: »Teile mir doch deinen Namen mit!« Er aber erwiderte: »Warum willst du meinen Namen wissen?« Hierauf segnete er ihn dort. Jakob nannte dann jenen Ort ›Pniel‹; »denn«, sagte er, »ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen und bin doch am Leben geblieben«.

Hosea 12,4-6 – Schon im Mutterschoß hat er {Jakob} seines Bruders Ferse gefaßt und in seiner Manneskraft mit Gott gerungen; er hat mit dem Engel gerungen und die Oberhand behalten, er hat geweint und ihn um Erbarmen angefleht; in Bethel hatte er ihn gefunden und daselbst mit ihm geredet – nämlich der HERR, der Gott der Heerscharen, dessen Name ›der HERR‹ ist

Anmerkung: Jakob hatte auch mehr über diesen Engel zu sagen: 1 Mose 31,11-13; 1. Mose 48,15-16 mit Jesaja 43,11.

Wer erschien Mose im Dornbusch, und wie identifiziert sich diese Person selbst?

2 Mose 3,2.4-6.14 – [2] Da erschien ihm der Engel [malak] des HERRN [YHWH] als eine Feuerflamme, die mitten aus einem Dornbusch hervorschlug; und als er hinblickte, sah er, daß der Dornbusch im Feuer brannte, ohne jedoch vom Feuer verzehrt zu werden. / [4] Als nun der HERR sah, daß er herankam, um nachzusehen, rief Gott [elohim] ihm aus dem Dornbusch heraus die Worte zu: »Mose, Mose!« Er antwortete: »Hier bin ich!« [5] Da sagte er: »Tritt nicht näher heran! Ziehe dir die Schuhe aus von den Füßen; denn die Stätte, auf der du stehst, ist heiliger Boden.« [6] Dann fuhr er fort: »Ich bin der Gott [elohim] deines Vaters, der Gott [elohim] Abrahams, der Gott [elohim] Isaaks und der Gott [elohim] Jakobs.« Da verhüllte Mose sein Gesicht; denn er fürchtete sich, Gott [elohim] anzuschauen. / [14] Da sagte Gott zu Mose: »Ich bin, der ich bin.« Dann fuhr er fort: »So sollst du zu den Israeliten sagen: Der ›Ich bin‹ hat mich zu euch gesandt!«

Anmerkung: Der Text wechselt ohne Übergang zwischen „der Engel des HERRN“ (V. 2), „der HERR“ (V. 4) und „Gott“ (V. 4.6), als wäre es dieselbe Person. Diese Person nennt sich selbst „Ich bin, der ich bin“ (V. 14; vgl. Johannes 8,58).

Apostelgeschichte 7,30-33 – Als dann wieder volle vierzig Jahre vergangen waren, erschien ihm in der Wüste des Berges Sinai ein Engel [gr. angelos] in der Feuerflamme eines Dornbusches. Als Mose das sah, verwunderte er sich über die Erscheinung; als er aber näher hinzutrat, um genauer zuzusehen, erscholl die Stimme des Herrn [kurios]: ›Ich bin der Gott [theos] deiner Väter, der Gott [theos] Abrahams, Isaaks und Jakobs.‹ (2.Mose 3,6) Da begann Mose zu zittern und wagte nicht, genauer hinzusehen. Der Herr [kurios] aber sagte zu ihm: ›Ziehe dir die Schuhe ab von den Füßen; denn die Stätte, auf der du stehst, ist heiliges Land.

Anmerkung: Stephanus bestätigt diese Lesart: Er nennt die Erscheinung „ein Engel“ (V. 30), doch schon im nächsten Vers ist es „die Stimme des Herrn“, die sich als „der Gott deiner Väter“ vorstellt (V. 31-32).

Wer führte Israel als Wolken- und Feuersäule durch die Wüste?

2 Mose 13,21 – Der HERR [YHWH] aber zog vor ihnen her, bei Tage in einer Wolkensäule, um ihnen den Weg zu zeigen, und nachts in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie bei Tag und bei Nacht wandern könnten …

2 Mose 14,19 – Da änderte der Engel [malak] Gottes [elohim], der (bisher) vor dem Heer der Israeliten hergezogen war, seine Stellung und trat hinter sie; infolgedessen ging auch die Wolkensäule vorn vor ihnen weg und trat hinter sie …

2 Mose 23,20-21 – »Wisse wohl: ich will einen Engel [malak] vor dir hergehen lassen, um dich unterwegs zu behüten und dich an den Ort zu bringen, den ich dir bestimmt habe. Nimm dich vor ihm in acht, gehorche seinen Weisungen und sei nicht widerspenstig gegen ihn; denn er würde euch eure Verschuldungen nicht vergeben, weil ich persönlich in ihm bin.

Anmerkung: In 2 Mose 13,21 ist es der HERR, der Israel als Wolken- und Feuersäule voranzieht. In 2 Mose 14,19 vollzieht der Engel Gottes genau dieselbe Bewegung wie zuvor die Wolkensäule, beide Bezeichnungen stehen also austauschbar für dieselbe Führung. Am deutlichsten wird es in 2 Mose 23,21: Gott sagt von diesem Engel, „ich persönlich in ihm bin“, und begründet damit dessen Vollmacht, Verschuldungen zu vergeben oder eben nicht zu vergeben, eine Vollmacht, die sonst allein Gott zusteht (vgl. Markus 2,5-10).

1 Korinther 10,1-4 – Ich will euch nämlich nicht in Unkenntnis darüber lassen, liebe Brüder, daß unsere Väter allesamt unter (dem Schutz) der Wolke gestanden haben und allesamt durch das Meer hindurchgezogen sind und sämtlich die Taufe auf Mose in der Wolke und im Meer empfangen, auch allesamt dieselbe geistliche Speise gegessen und sämtlich denselben geistlichen Trank getrunken haben: sie tranken nämlich aus einem geistlichen Felsen, der sie begleitete, und dieser Fels war Christus.

Ein anbetungswürdiger Bote

Wie hat Josua auf den Engel reagiert?

Josua 5,13-15 – Es geschah aber, als Josua bei Jericho war, da erhob er seine Augen und sah sich um; und siehe, ein Mann stand ihm gegenüber, der hatte ein blankes Schwert in seiner Hand. Und Josua ging zu ihm und sprach zu ihm: Bist du für uns oder für unsere Feinde? Er aber sprach: Nein, sondern ich bin der Fürst über das Heer des HERRN; jetzt bin ich gekommen! Da fiel Josua auf sein Angesicht zur Erde und betete an und sprach zu ihm: Was redet mein Herr zu seinem Knecht? Und der Fürst über das Heer des HERRN sprach zu Josua: Ziehe deine Schuhe aus von deinen Füßen; denn der Ort, auf dem du stehst, ist heilig! Und Josua tat es. SCH2000

Josua 6,2 – Da sagte der HERR zu Josua: »Hiermit gebe ich Jericho und seinen König samt den streitbaren Männern in deine Gewalt.

Anmerkung: Josua wirft sich vor dem „Obersten des Heeres des HERRN“ nieder, um ihm anzubeten, und wird nicht zurückgewiesen (vgl. Offenbarung 19,10; 22,8-9.16). Direkt im Anschluss spricht dieselbe Stimme als „der HERR“ weiter, ein nahtloser Übergang.

Von welchen anderen Begegnungen mit dem Engel des HERRN berichtet die Bibel?

Lese Richter 6,11-14.22-24 und Richter 13,3.21-22

Anmerkung: Auch Gideon und Manoah begegnen dem Engel des HERRN und erkennen ihn im Nachhinein als Gott selbst. Gideon ruft „HERR mein Gott!“ aus, weil er „den Engel des HERRN von Angesicht zu Angesicht gesehen“ hat (Richter 6,22). Manoah sagt zu seiner Frau: „Wir müssen sicherlich sterben, denn wir haben Gott gesehen!“ (Richter 13,22). Dieselbe Todesfurcht nach einer Gottesbegegnung zeigte schon Jakob (1 Mose 32,31).

Siehe auch 4 Mose 22-23 (Bileam); Richter 2,1 (Bochim); Galater 4,14

Wen kündigt Maleachi als „Bundesengel“ an, der plötzlich zu seinem Tempel kommen wird?

Maleachi 3,1 – Wisset wohl: ich sende meinen Engel, daß er den Weg vor mir her bahne, und unversehens wird zu seinem Tempel kommen der Herr, den ihr herbeiwünscht, und der Bundesengel, nach dem ihr Verlangen tragt, kommt unfehlbar!« – so spricht der HERR der Heerscharen.

Anmerkung: „Der Herr“ und „der Bundesengel“ (V. 1b) stehen hier parallel für dieselbe Person, die zu „seinem Tempel“ kommt, und es ist letztendlich „der HERR der Heerscharen“ selbst, der diese Ankündigung macht. Wichtig für das Verständnis: „Engel“ (hebr. malak, gr. angelos) bedeutet wörtlich einfach „Bote“ und bezeichnet nicht zwingend ein geschaffenes himmlisches Wesen. Beide Wörter werden in der Schrift auch für gewöhnliche menschliche Boten gebraucht (1 Mose 32,4; 4 Mose 20,14; Matthäus 11,10; Lukas 7,24; Jakobus 2,25), genauso wie für himmlische Engel (1 Mose 19,1; 2 Mose 23,20; Matthäus 1,20; Lukas 1,26; Offenbarung 5,2).

Das erklärt den Unterschied zwischen den beiden „Engeln“ in Maleachi 3,1: Der erste, „ich sende meinen Boten“, der den Weg bahnt, ist Johannes der Täufer, ein menschlicher Bote. Das bestätigt Jesus selbst, wenn er dieses Wort in Matthäus 11,10 direkt auf Johannes anwendet. Der zweite, „der Bundesengel“, ist ebenfalls ein Bote, aber ein göttlicher: Er wird im selben Satz als „der Herr“ bezeichnet, und es ist „der HERR der Heerscharen“, der über sein eigenes Kommen spricht. Maleachi kündigt also das Kommen von Jesus als den Bundesengel, den Boten des Vaters, an (vgl. Johannes 12,49).

Fußnoten

SCH2000: Schlachter 2000

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