Viele Söhne: Ist Jesu Sohnschaft auch nur symbolisch?

Verschiedene Söhne

Ist Jesus der einzige Sohn Gottes?

Hebräer 2,10 – Denn es geziemte ihm {dem Vater}, um dessen willen alles ist und durch den alles ist, nachdem er viele Söhne zur Herrlichkeit geführt hatte, den Urheber ihrer Rettung {Jesus} durch Leiden hindurch zur Vollendung zu bringen.

Römer 8,14 – Denn alle, die vom Geiste Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes.

Anmerkung: Gläubige (siehe auch Galater 3,26), Adam (Lukas 3,38), Engel (Hiob 1,6; 38,7) und sogar das Volk Gottes als Ganzes (2. Mose 4,22; Hosea 11,1) werden alle als Gottes Söhne bezeichnet. Also nein: Jesus ist nicht der einzige Sohn Gottes.

Warum werden Engel »Söhne« genannt?

Maleachi 2,10 – Haben wir nicht alle einen Vater? Hat nicht ein Gott uns geschaffen? Warum handeln wir denn treulos gegeneinander und entweihen den Bund unserer Väter?

Hiob 38,4-7 – Wo warst du, als ich die Erde baute? Sprich es aus, wenn du Einsicht besitzest! Wer hat ihre Maße bestimmt – du weißt es ja! –, oder wer hat die Meßschnur über sie ausgespannt? Worauf sind ihre Grundpfeiler eingesenkt worden, oder wer hat ihren Eckstein gelegt, während die Morgensterne allesamt laut frohlockten und alle Gottessöhne jauchzten?

Psalm 148,2.5 – Lobet ihn, alle seine Engel, lobet ihn, alle seine Heerscharen! / Loben sollen sie den Namen des HERRN, denn er gebot, da waren sie geschaffen …

Anmerkung: In Maleachi 2,10 wird Gottes Vater-Sein direkt mit der Erschaffung seiner Geschöpfe verbunden. In dem Kontext der Schöpfung von Hiob 38, werden Engel Gottes Söhne genannt. Engel sind somit »Söhne Gottes«, weil sie von Gott geschaffen wurden. Das Gleiche gilt übrigens natürlich auch für Menschen (siehe Lukas 3,38).

Wie wird die Sohnschaft der Gläubigen beschrieben?

Epheser 1,5 – … und hat uns in Liebe durch Jesus Christus zu Söhnen, die ihm angehören sollten [huiothesia], vorherbestimmt nach dem Wohlgefallen seines Willens …

Galater 4,5 – … er sollte die unter dem Gesetz Stehenden loskaufen, damit wir die Einsetzung in die Sohnschaft [huiothesia] erlangten.

Römer 8,15 – Der Geist, den ihr empfangen habt, ist ja doch nicht ein Geist der Knechtschaft, so daß ihr euch aufs neue fürchten müßtet; sondern ihr habt den Geist der Sohnschaft [huiothesia] empfangen, in welchem wir rufen: »Abba, (lieber) Vater!«

Römer 8,23 – Aber nicht nur sie, sondern auch wir selbst, die wir doch den Geist als Erstlingsgabe bereits besitzen, seufzen gleichfalls in unserm Inneren beim Warten auf (das Offenbarwerden) der Sohnschaft [huiothesia], nämlich auf die Erlösung unsers Leibes.

Römer 9,4 – … sie sind ja doch Israeliten, denen der Sohnesstand [huiothesia] und die Herrlichkeit Gottes, die Bündnisse und die Gesetzgebung, der Gottesdienst und die Verheißungen zuteil geworden sind …

Anmerkung: Das griechische Wort »huiothesia« bedeutet »Sohnesstellung« oder »Einsetzung als Sohn«, ein juristischer Begriff aus dem römischen Adoptionsrecht. Dieses Wort wird im gesamten Neuen Testament nie auf Jesus angewendet. Es beschreibt ausschließlich die Sohnschaft der Gläubigen und ist explizit als (rechtliche) Adoption zu verstehen. Zusätzlich sind Menschen aber auch Söhne Gottes, weil sie von Gott geschaffen wurden (siehe oben).

Einzigartiger Sohn

Wurde Jesus erschaffen oder adoptiert?

Hebräer 1,3 – … dieser ist die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Ausdruck seines Wesens und trägt alle Dinge durch das Wort seiner Kraft; er hat sich, nachdem er die Reinigung von unseren Sünden durch sich selbst vollbracht hat, zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt. SCH2000

Anmerkung: Jesus ist weder erschaffen noch adoptiert. Er ist der Ausdruck des Wesens des Vaters und wenn er das göttliche Wesen besitzt, dann ist er kein Geschöpf. Siehe ScriptureQnA.com/jesus-gott-ewig/ für mehr Info.

Woher leitet sich die Sohnschaft Jesu ab?

Lese Psalm 2,7 und Hebräer 1,5, sowie Johannes 1,14.18; 3,16.

Anmerkung: Sie leitet sich von seinem Wesen ab, weil er der buchstäbliche und gezeugte Sohn Gottes ist (siehe die anderen Q&A-Beiträge im Abschnitt »Sohnschaft« auf ScriptureQnA.com/languages/deutsch/). Die Zeugungs- und Abstammungssprache wird für andere Söhne nicht verwendet.

Wie ist die Sohnschaft Jesu anders in Bezug auf Erbschaft?

Galater 4,7 – So bist du also nicht mehr Knecht, sondern Sohn; wenn aber Sohn, dann auch Erbe Gottes durch Christus. SCH2000

Anmerkung: Jesus ist der Erbe des Vaters (siehe ScriptureQnA.com/name-erbteil/). Gläubige werden auch ausdrücklich Miterben genannt (siehe auch Römer 8,17). Die Unterscheidung liegt aber nicht in der Tatsache der Erbschaft, sondern in zwei Aspekten, wie Jesus erbt:

Hebräer 1,2 – … hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn. Ihn hat er eingesetzt zum Erben von allem, durch ihn hat er auch die Welten geschaffen … SCH2000

Anmerkung: Der erste Aspekt ist, dass er Erbe von allem ist, nicht nur von etwas. Hebräer 1,2 nennt Jesus denjenigen, den Gott »zum Erben von allem« eingesetzt hat, und zwar uneingeschränkt. Die Erbschaft der Gläubigen wird dagegen immer als etwas Bestimmtes beschrieben (Herrlichkeit, das verheißene Reich, Unvergänglichkeit), nie als »alles«. Das ist bereits ein quantitativer Unterschied, der auf einen qualitativen hinweist.

* * *

Matthäus 21,37-38 – Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen, weil er dachte: ›Sie werden sich doch vor meinem Sohne scheuen!‹ Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, sagten sie unter sich: ›Dieser ist der Erbe: kommt, wir wollen ihn töten, dann können wir sein Erbgut in Besitz nehmen!‹

Anmerkung: Siehe auch Markus 12,6-7 und Lukas 20,13-14. Der zweite Aspekt ist, dass er Erbe wegen der Sohnschaft selbst ist, nicht wegen etwas anderem. Hier ist Galater 4,7 entscheidend: die Gläubigen sind Erben »Gottes durch Christus«, ihre Erbschaft ist vermittelt, abgeleitet, an ihn gebunden. Das deckt sich mit Römer 8,17 (Miterben mit ihm, nicht Erben wie er). Jesu Erbschaft dagegen wird nirgends als »durch« einen anderen vermittelt beschrieben. Er ist der Bezugspunkt, nicht ein Teilnehmer an fremder Erbschaft.

In Matthäus 21,37-38 sendet der Gutsherr zuerst Knechte (die Propheten; siehe Matthäus 23,34). Diese werden misshandelt, aber nie als Erben bezeichnet, egal wie treu sie dienten. Erst der Sohn wird gesandt, und die Pächter erkennen sofort: »Dies ist der Erbe.« Genau das ist der Punkt: nicht Funktion oder Dienst begründet Erbenstatus, sondern Sohnschaft selbst. Ein Diener bleibt Diener, egal wie zentral seine Rolle ist. Nur der Sohn ist von Natur aus Erbe. Die Gläubigen dagegen werden zwar durch Adoption (huiothesia) zu Söhnen und Miterben, aber eben nicht durch Abstammung wie der eine, natürliche Sohn.

Kolosser 1,15.18 und Hebräer 1,6 nennen Jesus »Erstgeborenen«. Im israelitischen Recht (5. Mose 21,17) erhielt der Erstgeborene einen doppelten Anteil und eine Vorrangstellung. Das stützt zusätzlich, warum sein Erbe kategorial anders ist als das der übrigen Söhne.

Wie ist die Sohnschaft Jesu noch anders?

Hebräer 1,6 – Und wenn er den Erstgeborenen wiederum in die Welt einführt, spricht er: »Und alle Engel Gottes sollen ihn anbeten!«

Anmerkung: Der eingeborene Sohn Gottes wird von anderen Söhnen, den Menschen und den Engeln, angebetet. Kein anderes Wesen als Christus, natürlich mit Ausnahme des Vaters selbst, wird in der Bibel legitimerweise angebetet.

Wie wurde Jesu Behauptung Sohn Gottes zu sein verstanden?

Johannes 10,33.36 – Die Juden antworteten ihm: »Nicht wegen eines guten Werkes wollen wir dich steinigen, sondern wegen Gotteslästerung, und zwar weil du, der du doch (nur) ein Mensch bist, dich selbst zu Gott machst.« / … wie könnt ihr da dem, welchem der Vater die Weihe erteilt und den er in die Welt gesandt hat, Gotteslästerung vorwerfen, weil ich gesagt habe: ›Ich bin Gottes Sohn‹?

Johannes 8,41 – Ihr vollbringt die Werke eures Vaters. Sie erwiderten ihm: »Wir sind keine unehelichen Kinder; wir haben nur einen einzigen Vater, nämlich Gott.«

Anmerkung: Die Pharisäer haben sich auch Gottes Söhne genannt (Johannes 8,41-44). Daher verstanden sie, dass Jesus es buchstäblich meinte, als er sagte, er sei der Sohn Gottes. Mehr dazu unter ScriptureQnA.com/bedeutung-gott/.

Fazit

Die bloße Tatsache, dass auch Engel, Israel und die Gläubigen »Söhne Gottes« genannt werden, entkräftet Jesu buchstäbliche Sohnschaft nicht, sie bestätigt vielmehr ein Muster, das die Schrift an anderer Stelle ausdrücklich macht: ein Wort kann in abgeleitetem Sinn auf viele zutreffen und trotzdem in einem einzigen, buchstäblichen Sinn auf einen Einzelnen zutreffen.

Johannes der Täufer wird als »Leuchte« bezeichnet (Johannes 5,35), ist aber ausdrücklich »nicht das Licht«, sondern nur ein Zeuge für das Licht (Johannes 1,8). Jesus dagegen ist »das wahre Licht« (Johannes 1,9). Niemand würde daraus, dass auch Johannes eine Art Licht war, schließen, Jesu Licht-Sein sei bloß bildlich gemeint. Genau dieselbe Logik gilt für die Sohnschaft: Engel sind Söhne, weil sie geschaffen wurden; Gläubige sind Söhne durch Adoption (huiothesia); Jesus aber ist Sohn durch Abstammung, durch Wesensgleichheit, durch uneingeschränkte Erbschaft und durch die ihm allein zustehende Anbetung. Die vielen »Söhne« zeigen die Weite des Begriffs, nicht seine Bedeutungslosigkeit, und gerade vor diesem Hintergrund tritt hervor, was Jesu Sohnschaft einzigartig macht.

Fußnoten

SCH2000: Schlachter 2000

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