Wie passt die Vater-Sohn-Beziehung zum Monotheismus?

Was sagt die Bibel über Monotheismus?

Jesaja 44,6.8 – So hat der HERR [YHWH] gesprochen, der König Israels, und sein Erlöser, der HERR [YHWH] der Heerscharen: »Ich bin der Erste und ich der Letzte, und außer mir gibt es keinen Gott. / Erschreckt nicht und seid nicht verzagt! Habe ich es nicht schon längst dich hören lassen und es angesagt, so daß ihr meine Zeugen seid? Gibt es einen Gott außer mir? Nein, es gibt keinen Felsen sonst: ich kenne keinen.«

5 Mose 6,4-5 – Höre, Israel: Der HERR [YHWH] ist unser Gott [elohim], der HERR [YHWH] allein! So liebe denn den HERRN [YHWH], deinen Gott [elohim], mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit all deiner Kraft!

Anmerkung: Siehe auch Markus 12,32; Jakobus 2,19. Das Wort »Monotheismus« (der Glaube an einen einzigen Gott) kommt in der Bibel nicht vor. Jedoch sagt die Bibel, dass alleine YHWH elohim ist und dass es außer YHWH keine anderen Götter gibt.

Wir haben im Zuge dieser Serie gesehen, dass Jesus, so wie sein Vater, den Namen YHWH trägt (ScriptureQnA.com/name-erbteil/) und auch elohim (Gott bzw. göttlich) ist (ScriptureQnA.com/jesus-gott-ewig/). Daher besteht in diesem Sinne kein Widerspruch: Ja, es gibt nur YHWH, und nur sie, der Vater und der Sohn, sind göttlich. Es gibt aber noch eine zweite Erklärung für die Frage, wie der biblische Monotheismus mit zwei göttlichen Personen vereinbar ist, die wir in diesem Q&A betrachten. Zuerst müssen wir aber nochmal die Beziehung zwischen Jesus und seinem Vater ansehen.

Zu wem betete Jesus?

Lukas 6,12 – Es begab sich aber in diesen Tagen, daß er {Jesus} hinausging auf den Berg, um zu beten, und er verbrachte dort die (ganze) Nacht im Gebet zu Gott.

Matthäus 11,25-27 – Zu jener Zeit hob Jesus an und sagte: »Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, daß du dies vor Weisen und Klugen verborgen und es Unmündigen geoffenbart hast; ja, Vater, denn so ist es dir wohlgefällig gewesen! – Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden, und niemand erkennt den Sohn als nur der Vater, und niemand erkennt den Vater als nur der Sohn und der, welchem der Sohn ihn offenbaren will.«

Anmerkung: Siehe auch Paralleltexte in Lukas 10,21; Matthäus 6,9-13; Lukas 11,2-4; Matthäus 26,39.42.44; Markus 14,36; Lukas 22,42. Jesus hat zu seinem Vater gebetet. Man könnte einwenden, dass Jesus nur als Mensch gebetet hat. Doch Jesus war schon bei der Menschwerdung völlig Mensch und zugleich völlig göttlich, seine Göttlichkeit war lediglich verborgen (Philipper 2,5-8). Wäre dies nicht der Fall gewesen, wäre sein Opfer nur ein Menschenleben wert gewesen und hätte nicht die Sünden der Welt von Adam bis zum letzten Gerechten sühnen können, denn ein unendliches Opfer musste gebracht werden. Der eigentliche Widerspruch läge nicht darin, dass Jesus zu Gott betete, sondern darin, dass er, wäre er derselbe Gott wie der Vater, zu sich selbst beten würde (das nennt man Schizophrenie). Jesus hat also zu einem anderen Wesen gebetet als zu sich selbst: es ist ganz klar der Vater, der allein wahre Gott.

Wie nennt Jesus seinen Vater?

Johannes 20,17 – Jesus sagte zu ihr: »Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht zum Vater aufgefahren! Gehe aber zu meinen Brüdern und sage ihnen: ›Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.‹«

Matthäus 27,46 – Um die neunte Stunde aber rief Jesus mit lauter Stimme aus: »Eli, Eli, lema sabachthani?«, das heißt: »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« (Ps 22,2).

Anmerkung: Jesus nennt seinen Vater »mein Gott«.

Nennt Jesus ihn so auch nach der Himmelfahrt?

Offenbarung 3,12 – Wer da überwindet, den werde ich zu einer Säule im Tempel meines Gottes machen, und er wird seinen Platz dort nie wieder verlieren, und ich werde auf ihn den Namen meines Gottes schreiben und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalem, das aus dem Himmel von meinem Gott herabkommt (21,2), und auch meinen neuen Namen.

Epheser 1,3.17 – Gepriesen sei der Gott und Vater unsers Herrn Jesus Christus, der uns mit jedem Segen geistlicher Art, (der) in der Himmelswelt (vorhanden ist), in Christus gesegnet hat! / der Gott unsers Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, wolle euch den Geist der Weisheit und der Offenbarung durch die Erkenntnis seiner selbst verleihen …

2 Korinther 11,31 – Der Gott und Vater des Herrn Jesus, der in alle Ewigkeit Hochgelobte, weiß, daß ich nicht lüge.

Kolosser 1,3 – Wir danken Gott, dem Vater unsers Herrn Jesus Christus, allezeit in unsern Gebeten für euch …

1 Petrus 1,3 – Gelobt sei der Gott und Vater unsers Herrn Jesus Christus, der nach seiner großen Barmherzigkeit uns wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten …

Anmerkung: Siehe auch 2 Korinther 1,3; Micha 5,1-3.

Gibt es dann praktisch zwei Götter?

Psalm 45,7-8 – Dein Thron, o Gott [elohim], bleibt immer und ewig; das Zepter deines Reiches ist ein Zepter des Rechts! Du liebst die Gerechtigkeit und hasst die Gesetzlosigkeit, darum hat dich, o Gott [elohim], dein Gott [elohim] gesalbt mit Freudenöl, mehr als deine Gefährten. SCH2000

Hebräer 1,8-9 – … aber von dem Sohn: »Dein Thron, o Gott [theos], währt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Das Zepter deines Reiches ist ein Zepter des Rechts. Du hast Gerechtigkeit geliebt und Gesetzlosigkeit gehasst; darum hat dich, o Gott [theos], dein Gott [theos] gesalbt mit Freudenöl, mehr als deine Gefährten!« SCH2000

Anmerkung: Wir haben schon im Zuge dieser Serie gesehen, dass alles von der Definition abhängt und dass es leider keine einfach auf dem Silbertablett gelieferten Definitionen in der Bibel gibt (siehe ScriptureQnA.com/bedeutung-gott/ und ScriptureQnA.com/adam-als-beispiel/). »Gott« kann verschiedenes bedeuten. Wenn die Frage lautet »Gibt es nur einen allein wahren Gott?«, dann ist die Antwort eindeutig »ja«: das ist der Vater. Wenn die Frage lautet »Gibt es zwei göttliche Wesen, den Vater und den Sohn?«, dann ist die Antwort gleichfalls »ja«.

Wenn die Frage lautet, so wie oben, »Gibt es zwei Götter?«, dann würden wir eher »nein« antworten, denn diese Frage kann provokativ genutzt werden und ist zu oberflächlich, um richtig verstanden und direkt beantwortet zu werden. Laut den oben zitierten Stellen in Psalm 45,7-8 und Hebräer 1,8-9 spricht ein Gott zu einem anderen Gott, und das muss man richtig einordnen (siehe nochmals ScriptureQnA.com/adam-als-beispiel/). Der Grund dafür ist: Der allein wahre Gott, der Vater (Gott im Wesen und in seinem einzigartigen Titel), spricht zu seinem Sohn, der auch (ein) Gott ist (Gott im Wesen, aber nicht im Titel).

Fazit

Offenbarung 5,12-13 – … die riefen laut: »Würdig ist das Lamm, das sich hat schlachten lassen, zu empfangen die Macht und den Reichtum, Weisheit und Kraft, Ehre, Herrlichkeit und Lobpreis.« Und die ganze Schöpfung im Himmel und auf der Erde und unter der Erde und auf dem Meere und alles, was in ihnen lebt, hörte ich rufen: »Dem, der auf dem Throne sitzt, und dem Lamm (gebühren) Lobpreis und Ehre, Herrlichkeit und Macht in alle Ewigkeit.«

Man könnte sagen, dass es zwei Götter gibt: den Vater und den Sohn. Das wird in Psalm 45,7-8 und Hebräer 1,8-9 so deutlich. Jedoch sagt der durch Jesus selbst inspirierte Paulus in 1 Korinther 8,6: »… so gibt es für uns doch nur einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir für ihn; und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind, und wir durch ihn.« SCH2000 Wir haben gesehen, dass der Vater auch selbst für Jesus Gott ist, sogar jetzt im Himmel. Somit gibt es nur einen allein wahren Gott, und der biblische Glaube an Vater und Sohn zwingt nicht dazu, den Monotheismus zu verwerfen. Jesus ist Gott, aber er ist nicht DER Gott.

Fußnoten

SCH2000: Schlachter 2000

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