Wie sieht die Beziehung zwischen Vater und Sohn wirklich aus?

Gleichsein

Wie bezeichnet der Vater seinen Sohn?

Sacharja 13,7 – Schwert, erwache gegen meinen Hirten, gegen den Mann, der mein Gefährte [amit] ist!, spricht der HERR der Heerscharen. Schlage den Hirten, und die Schafe werden sich zerstreuen; und ich will meine Hand den Geringen zuwenden! SCH2000

Anmerkung: Das hebräische Wort für »Gefährte« (amit), ist in den fünf Büchern Mose mit nur zwölf Belegen selten. Elf dieser Stellen finden sich in 3. Mose, wo das Wort jeweils einen Volksgenossen bezeichnet, einen Israeliten im Verhältnis zu einem anderen Israeliten, der zur selben Rechtsgemeinschaft gehört und dieselben Ansprüche und Pflichten trägt. Sacharja 13,7 ist die einzige Stelle außerhalb von 3. Mose, an der dieses Wort vorkommt, und dort ist es der HERR der Heerscharen selbst, der den »Mann«, den Hirten, als seinen »amit« bezeichnet.

Das Wort »Gefährte« stuft die beiden also in dieselbe Kategorie ein, als einander ebenbürtige Gefährten, nicht als Herr und Untergebenen. Dass mit dem »Hirten« der Messias gemeint ist, bestätigt Jesus selbst, als er den Vers in der Nacht vor seiner Gefangennahme auf sich anwendet: »Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen« (Matthäus 26,31).

Inwiefern ist Jesus gleich dem Vater?

Johannes 5,17-18 – Jesus aber antwortete ihnen: »Mein Vater wirkt (ununterbrochen) bis zu dieser Stunde; darum wirke ich auch.« Deshalb trachteten die Juden ihm um so mehr nach dem Leben, weil er nicht nur den Sabbat brach, sondern auch Gott seinen eigenen Vater nannte und sich damit Gott gleichstellte.

Philipper 2,6-7 – … denn obgleich er Gottes Gestalt besaß, sah er doch das Gleichsein mit Gott nicht als einen gewaltsam festzuhaltenden Raub an; nein, er entäußerte sich selbst (seiner Herrlichkeit), indem er Knechtsgestalt annahm, ganz in menschliches Wesen einging und in seiner leiblichen Beschaffenheit als ein Mensch erfunden wurde …

Anmerkung: Dass die Juden aus dem Ausdruck »sein eigener Vater« eine beanspruchte Gleichstellung mit Gott herauslesen, bestätigt Jesus nicht nur unmittelbar danach (vgl. Johannes 5,19-23), er begründet sie sogar direkt aus seiner Göttlichkeit: Nach Philipper 2,6 besaß er tatsächlich »Gottes Gestalt« und war Gott gleich, noch bevor er Mensch wurde. Entscheidend ist aber, wie er mit dieser Gleichheit umgeht. Das griechische Wort für »Raub« (harpagmos) meint hier kein gestohlenes Gut, sondern etwas, an dem man sich festklammert oder das man zum eigenen Vorteil ausnutzt. Jesus klammert sich in keiner Weise an seine Stellung.

Was wird über die Himmlische Ordnung offenbart?

1 Korinther 11,3 – Ich möchte euch aber zu bedenken geben, daß das Haupt jedes Mannes Christus ist, das Haupt der Frau aber ist der Mann, und das Haupt Christi ist Gott.

Anmerkung: Jesus sagt »der Vater ist größer als ich« (Johannes 14,28). Nur der Vater wird in der Bibel neunmal »der Höchste« genannt (Markus 5,7; Lukas 1,32.35.76; 6,35; 8,28; Apostelgeschichte 7,48; 16,17; Hebräer 7,1). Außerdem gibt es viele andere Stellen (Johannes 13,16; 5,36-37; Matthäus 20,23; 24,36; Markus 13,32; 1. Korinther 3,23), die bestätigen, dass der Vater dem Sohn gegenüber ein gewisses Vorrecht an Autorität besitzt, wie es schon die Titel »Vater« und »Sohn« selbst zum Ausdruck bringen.

Himmlische Ordnung

Wie passt Gleichheit mit Unterordnung zusammen?

Johannes 5,22-23 – Denn der Vater richtet niemand, sondern alles Gericht hat er dem Sohn übergeben, damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat. 

Anmerkung: Gleichheit und Unterordnung sind kein Widerspruch. Die Bibel sagt ganz klar, dass der Vater in seiner Stellung höher ist als der Sohn. Gleichzeitig sagt sie auch, dass der Sohn im Wesen dem Vater gleich ist. Das passt sehr gut zum hier schon behandelten Q&A-Beitrag, in dem erläutert wird, dass Jesus Gott ist, obwohl der Vater der allein wahre Gott ist: ScriptureQnA.com/adam-als-beispiel/.

1. Korinther 11,3 berührt das Thema der Beziehung zwischen Mann und Frau. So wie Mann und Frau im Wesen gleich (Mensch) sind (vgl. Galater 3,28; 1. Petrus 3,7), die Bibel dem Mann in der Familie aber die führende Rolle einräumt, verhält es sich auch bei Vater und Sohn.

Kann man Vater und Sohn mit einem König und einem Prinzen vergleichen?

Matthäus 18,23.35 – Darum ist das Himmelreich einem Könige vergleichbar, der mit seinen Knechten abrechnen wollte. / Ebenso wird auch mein himmlischer Vater mit euch verfahren, wenn ihr nicht ein jeder seinem Bruder von Herzen vergebt.

Matthäus 21,33.37 – Vernehmt noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Hausherr, der legte einen Weinberg an, umgab ihn mit einem Zaun, grub in ihm eine Kelter, baute einen Wachtturm, verpachtete ihn an Weingärtner und ging dann außer Landes (Jes 5,1-2). / Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen, weil er dachte: ›Sie werden sich doch vor meinem Sohne scheuen!‹

Anmerkung: Dass Jesus das Himmelreich immer wieder mit einem König vergleicht, und sich selbst mit einem Sohn eines Herrschers, zeigt, dass das Bild von König und Prinz nicht willkürlich gewählt ist, sondern an eine Bildsprache anknüpft, die Jesus selbst häufig gebraucht. Die Gleichnisse selbst behandeln allerdings etwas andere Themen, und werden hier nur als Beleg für diese Bildsprache angeführt, nicht für ihre eigentlichen Inhalte.

Was bedeutet »Mitregentschaft«?

Markus 16,19 – Nachdem nun der Herr Jesus zu ihnen geredet hatte, wurde er in den Himmel emporgehoben und setzte sich zur Rechten Gottes.

Apostelgeschichte 5,31 – Diesen {Jesus} hat Gott zum Fürsten und Retter zu seiner Rechten erhöht, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu gewähren. SCH2000

Anmerkung: Wie sich ein König noch zu seinen Lebzeiten seinen Sohn, den Prinzen, gleichstellen kann, zeigt das Beispiel von David und Salomo (1. Könige 1): Salomo wurde bereits gekrönt und als König anerkannt, während David noch lebte und regierte. Vor den Dienern und dem Volk waren beide gleichermaßen Könige, und doch blieb Salomo seinem Vater gegenüber weiterhin untergeordnet.

Wie sieht eine Mitregentschaft in der Bibel aus?

Sacharja 6,12-13 – Und du sollst zu ihm reden und sagen: So spricht der HERR der Heerscharen: Siehe, ein Mann, dessen Name »Spross« ist, denn er wird aus seinem Ort hervorsprossen und den Tempel des HERRN bauen. Ja, er ist’s, der den Tempel des HERRN bauen wird, und er wird Herrlichkeit [als Schmuck] tragen und auf seinem Thron sitzen und herrschen, und er wird Priester sein auf seinem Thron, und der Rat des Friedens wird zwischen beiden bestehen. SCH2000

Offenbarung 3,21 – Wer da überwindet, dem werde ich verleihen, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden und mich mit meinem Vater auf seinen Thron gesetzt habe.

1. Mose 41,40 – Du sollst über mein Haus sein, und deinem Befehl soll mein ganzes Volk gehorchen; nur um den Thron will ich höher sein als du! SCH2000

Anmerkung: 1. Mose 41,40 zeigt dasselbe Muster eines Königs und eines Mitregenten noch deutlicher: Der Pharao überträgt Joseph die volle Vollmacht über sein Haus und sein Volk, mit einer einzigen, ausdrücklich genannten Ausnahme beim Thron selbst. Auch hier ist die Gleichstellung fast vollständig. Genau dieses Muster erklärt, was es bedeutet, dass Jesus »zu seiner Rechten« erhöht wurde (vgl. Apostelgeschichte 7,55-56; Römer 8,34) und »wird Priester sein auf seinem Thron« (vgl. Hebräer 1,3; 12,2). * Christus nimmt die Stellung des Mitregenten ein und ist vor allen anderen dem Vater gleichgestellt. Auf seinen Vater selbst aber hört er, und das spiegelt die natürliche Vater-Sohn-Beziehung wider, in der der Vater über eine innewohnende Autorität verfügt, die zu hinterfragen dem Sohn nicht einmal in den Sinn kommt.

* Zusätzlich zu den biblischen Beispielen der Mitregentschaften von Joseph und Pharao, sowie Salomo und David, gibt es andere Beispiele: Dass ein Herrscher seinen Sohn schon zu Lebzeiten zum Mitregenten erhob, ist historisch belegt. Im alten Ägypten teilten Pharaonen wie Sesostris III. und sein Sohn Amenemhet III. rund zwanzig Jahre offiziell den Thron, der Sohn regierte bereits aktiv, während der Vater formal Mitregent blieb. Im byzantinischen Reich wurde diese Mitregentschaft (symbasileia) sogar bildlich festgehalten: Kaiser wie Leo III. ließen sich mit ihren gekrönten Söhnen gemeinsam auf Goldmünzen abbilden, wobei der Ranghöhere jeweils die rechte Seite einnahm, etwa bei Konstantin VII. und Romanos I.

Fazit

Wenn der Vater seinen Sohn als seinen Gefährten bezeichnet (Sacharja 13,7), beschreibt er damit eine Beziehung zwischen zwei ebenbürtigen Personen, gleich im Wesen und gleich an Wert. Der Sohn bleibt seinem Vater gegenüber dennoch im Rang untergeordnet, so wie ein mitregierender Prinz seinem König untergeordnet bleibt, ohne dass dies etwas an der Gleichheit ihrer Natur ändert.

Fußnoten

SCH2000: Schlachter 2000

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